Freitag, 5. November 2010

1984 für Fortgeschrittene

Gerade kam mir folgende Eingebung:

Der Hype um Web 2.0, social Networking und Blogging (speziell Microblogging/Twitter) hat doch eine beängstigende Nebenwirkung.
Eine Institution braucht kaum Mittel zu investieren, um das Volk zu beobachten und zu überwachen. Man muss nur im Netz blättern und erhält alle nötigen Informationen. Der Große Bruder braucht seine Augen nicht mehr aktiv überall zu haben. Die Menschen schreiben ihm quasi, was sie machen. Und, keiner der Internetnutzer wird dabei paranoid. Was will man mehr?

Freitag, 27. August 2010

Wie das Internet uns verändert (1) -> Alles rausposauenen

Immer mehr fällte mir im Verhalten von anderen Menschen auf, wie sehr sich Verhaltensweisen ändern. Ich werde versuchen, dies mal in dieser Reihe hier darzustellen.

Teil 1: Wir rufen alles in die Welt raus!
 Wir haben in unserem Freundeskreis eine Mailingliste, um die Mitteilungen an alle (Verabredungen oder Ankündigungen) zu vereinfachen. Im Prinzip ist die Sache mit der Mailingliste auch schon einen Artikel in dieser Reihe Wert, vielleicht komme ich ja mal dazu.

Heute ist es aber etwas anderes: Ein Freund hatte Geburtstag (was halt mal vorkommt). Ich habe ihn gestern Abend noch angerufen, wie in guten alten Zeiten. Heute schaue ich in mein Postfach, da hat ein anderer seine Glückwünsche einfach auf die Liste gepostet. Überschrift: "An: Ihr wisst schon wer!"
Irgendwie ist das so das letzte I-Tüpfelchen auf einem Sachverhalt, der mir schon seit langem auffällt.

Es fing damit an, dass an allgemeine Mails mit z.B. einem Vorschlag zu einem Kinobesuch, einfach kurze Sätze mit einem "@Jürgen: ..." angehängt wurden, die nur den benannten etwas angingen, und die meistens auch nur er verstand, weil anderen die Infos fehlten. Gut, die Hauptaussage war ja immer noch an alle.

Irgendwie kippte es dann, dann kamen noch Mails mit z.B. einer Witz-Powerpoint-Präsentation und kapitelweise anhänge an verschiedene Einzelpersonen, in denen auch mal Dinge drin standen, die andere Hätten etwas anstoßen können. Da wollte ich mich mal mit Einem verabreden, zum Bier oder so, und er wimmelte mich mit sowas, wie 'Kann nicht, muss arbeiten' ab. Dann sehe ich in diesen Mail-Anhängseln, dass er und ein anderer sich bei ihren 'privaten' Unterhaltungen (ja, es ganb dann ganze öffentliche Diskussionen) auf ihr gemeinsames Computerspiel an eben dem Abend bezogen.

Und jetzt diese Geburtstagsglückwünsche. Ich glaube, ich als jemand, der direkte und, wenn es geht, persönliche Konversation mag, gehöre zu einer aussterbenden Art. Dank Facebook und Konsorten kann man sein Ganzes Leben im Netz ausbreiten und viele finden es gut.

Dienstag, 22. Juni 2010

Sklaverei gestern und heute

Einige kennen vielleicht folgende Analogie:
"Früher wurden Sklaven mit der Peitsche getrieben, heute mit Terminkalender und Handy."

Damit das so funktionieren kann, wie es augenscheinlich auch funktioniert, muss es Grundlagen geben.
Früher war es die nackte Existenz, die bedroht war. Wenn man nicht spurte, wurde man getötet. Aber, was ist mit der heutigen Zeit. Niemand kann mir sagen, dass ein Büroangestellter erschossen wird, wenn er nicht pünktlich ist.

Ich glaube, das Problem liegt tiefer in der Gesellschaft. Es ist irgendwo zwischen geistiger Trägheit und Angst vor Verlust der erarbeiteten Annehmlichkeiten zu suchen. Gepaart mit einer Priese Zwang zur Anpassung kommt diese selbst auferlegte Pflicht zum Ehrgeiz zutage.

Glücklich, wer sich diesen verordneten Ehrgeiz zu eigen machen kann.

Und jetzt die Frage an alle:
Wenn man zufrieden mit dem ist, was man erreicht hat, und eigentlich seine derzeitige Position halten möchte, wird man dann schief angeschaut, weil man vielleicht als träge oder lustlos angesehen wird?